Der Name LILIEN [feld] - die fast vollkommene Verwirrung

Wer im Juni die grünen Wiesenhänge des Klostertals, südlich des Stiftes, auf Wanderwegen abgeht, trifft nicht selten auf die rotorange Feuerlilie (Lilium bulbiferum).
Ist sie Namensvetterin für Lilienfeld?

 

Feuerlilie

Der Name "Lilienfeld" existierte bereits zur Klostergründung 1202. Der Stifter Herzog Leopold VI. der Glorreiche erwarb die Domaine von den Herren von Lilienfeld (v. Lilgenfeldt ?). In ihrem Wappen befanden sich drei rote heraldische Lilien.

Stehen sie in einem Zusammenhang mit "Lilienfeld"?

Leopold der Glorreiche ersann für seine Stiftung einen neuen Namen. Nicht der Name seiner Vasallen sollte weiterbestehen, sondern ... zu Ehren der Gottesmutter sei die Abtei nun Mariental zu nennen...- doch es blieb bei Lilienfeld.

[Die Vorlagen für die Wappendarstellung entstammen dem Weigelischen Wappenbuch (1734) und einem Nachdruck des Wappenbuch von Siebmacher (1705)]

 

 

Wappen, heraldische Lilie

Wappen der Herren v. Lilgenfeldt

Schwertlilie - Madonnenlilie


Wurde die Schwertlilie symbolhaft auf vielen Schilden und Wappen im Kampf mitgeführt und war sie Patin für die heraldische Lilie (Wappenlilie), so musste sie im späten Mittelalter im Sinne eines Bedeutungswandels ihren Rang an die weiße Madonnenlilie (Lilium candidum) abtreten.

Die im heutigen Libanon und N-Galiläa beheimatete weiße Madonnenlilie (Lilium candidum) wurde schon in der Antike als überirdisch schön empfunden und nicht zuletzt wegen ihrer medizinischen Verwendbarkeit (gegen unreine Haut, Eiterbeulen und zur Erleichterung der Geburt ...) , zum Symbol für Reinheit und Unschuld. Vielleicht auf Kreuzzügen zu uns gekommen, wurde sie in christlicher Deutung bald zum Symbol für die Gottesmutter und Himmelskönigin.

 

Madonnenlilie

Schönheit ruft Neider hervor: Die Griechen erzählen sich, dass sich Aphrodite über die Reinheit und Unschuld der Lilienblüte derart geärgert hat, dass sie ihr einen großen, keulenförmigen Stempel einpflanzte, der an den Phallus eines brünstigen Esels erinnert.
Interessantes zur Geschichte und Verwendung der Madonnenlilie findet sich bei BIOZAC-Aachen

Das gefiel - die Lilie war nicht mehr wegzudenken.

Sie hielt Einzug in die Architektur von Lilienfeld. Steinmetze verwirklichten naturalistische oder stilisierte Lilienknospen, -blüten und -kelche an Kapitellen und Gesimsen. Eine wohl erlaubte oder geduldete Form der figuralen Darstellung innerhalb der sehr strengen Vorschriften der schlichten Zisterzienserarchitektur.

[Das Bild rechts zeigt friesartig gestaltete Kapitelle mit gekreuzten Knospenblättern im südlichen Hallenchor der Stiftsbasilika. Eine Weiterentwicklung der wuchtigeren Lilienkapitelle im Querhaus.]

In dem etwa 30 Bilder umfassenden Gemäldezyklus der Josefsbruderschaft ist die Lilie allgegenwärtig.

Spielte die häufig vorkommende Schneerose (im Volksmund früher die "wilde Lilie") oder die nicht ganz seltene Türkenbundlilie bei der Namensgebung auch eine Rolle?

 

Manchmal beinahe ein Suchbild. Das Auffinden der weißen Lilie wird in diesem Ausschnitt aus dem Josefi-Zyklus durch einen Markierungskreis erleichtert.